Die Aussteuer – Weiße Erbstücke zum Verlieben

DSC00418Vergangenes Wochenende haben meine Großeltern ihre Goldene Hochzeit gefeiert, was mich auf die Idee zu diesem Blogpost gebracht hat.
Vor 50 Jahren war es noch durchaus üblich, dass Frauen mit einer Aussteuer in die Ehe gingen. Dazu hatten die Eltern über Jahre hinweg, eine Grundausstattung für den zukünftigen Haushalt der Braut zusammengesammelt.
Typische Gegenstände der Mitgift waren Küchengeräte, Geschirr- und Glaswaren, Besteck, aber auch Heimtextilien wie Bettwäsche, Handtücher und Tischdecken.

Eine Art Aussteuer gibt es sogar heute noch, wenn auch in etwas anderer Form. So schlossen meine Eltern, als ich noch ein Kind war, eine Versicherung für mich ab, die mir mit Mitte 20 ausgezahlt wurde. Im Falle einer Heirat hätte ich die Summe allerdings – quasi als Startkapital für meinen ehelichen Haushalt – früher bekommen.
Zum Ärgernis meines süditalienischen Vaters habe ich aber lieber studiert als zu heiraten und meine Aussteuer ist vor allem für Studienreisen drauf gegangen :-)

Ich bin zwar immer noch Single, aber einen eigenen Haushalt führe ich mittlerweile dennoch. Deswegen bin ich sehr froh, dass meine Oma und Großtante das mit der Mitgift nicht so eng sehen und mir erst neulich zu meinem Umzug nach Trier einige wunderschöne Erbstücke für meine Wohnung vermacht haben.
Dabei handelt es sich um Kopfkissenbezüge, Tischdecken, Servietten und Taschentücher, die ich Euch nun gerne zeigen möchte.
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Meine Oma würde jetzt wohl ziemlich mit mir schimpfen, wenn sie diese Bilder sehen würde: „Du musst doch die Wäsche in die Mangel geben!“ würde sie sich empören :-)
Aber nein, für mich hat es gerade diesen Shabby-Charm, wenn diese
edlen weißen Decken aus Damast und Häkelspitze nicht gebügelt sind,
sondern ein bisschen mehr messy aussehen.
Die Teller, Gläser, Teelichthalter und Kerzenständer sind übrigens von IKEA und Butlers – also nicht vintage. Aber richtig kombiniert, eben mit den Tischdecken, Servietten und altem Silberbesteck, das ich bei Ebay entdeckt habe, bekommt die Tafel den Vintage Twist.
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Auch in meinem Schlafzimmer liege ich gern wie auf einer großen, weißen Wolke. Vier Kissen habe ich für mich allein und sie reichen mir immer noch nicht – es werden definitiv noch welche dazu kommen :-)
Dabei ist es mir nicht wichtig, ob die Decken- und Kissenbezüge sowie die Spannbettlaken aus einer Serie sind. Im Gegenteil, ich mag es verschiedenen Stoffe zusammenzuwürfeln und Altes mit Neuem zu kombinieren. Nur weiß muss die Wäsche sein! Was schon ziemlich idiotisch ist, wenn man einen Hund hat und gerne mit Keksen im Bett rum krümelt :-)
Aber dann wasche ich halt öfter – das sind mir meine weißen Träume wert!
Die Kissenbezüge sind wieder von meiner Oma und Tante, während das Spannbettlaken, die Decke und der Bettüberwurf von IKEA sind.
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Zum Schluss zeige ich Euch noch eines der Taschentücher mit Spitzenrand, das mir ebenfalls meine Oma überlassen hat.

OOTD: New In & Erbstücke

OOTDIch muss mich wohl vorab bei Euch entschuldigen – die  Bilder für den heutigen Post sind wirklich nicht sooo klasse. Gegen die Selfie-Qualität haben die meisten Leserinnen und Leser ja nichts, aber normalerweise fotografiere ich wenigsten die Stücke einzeln noch mal schön (und vor allem gebügelt) ab. Heute ging das aber leider nicht, weil am Morgen alles ganz schnell gehen musste, damit ich nicht meinen Zug in den hohen Norden verpasse. Trotzdem wollte ich Euch mein OOTD von gestern nicht vorenthalten, weil es gleich zwei meiner Lieblings-Rubriken abdeckt – New In und Erbstücke! <3

Bluse1Die sehr leichte Bluse mit Stickereien und Spitzen-Einsätzen ist eigentlich das perfekte Oberteil für den Sommer. Jetzt war ich aber gestern auf einem Geburtstag eingeladen und in der Regel – und so war es auch – wird es im Laufe des Abends im Party-Wohnzimmer kuschelig warm, sodass ich froh war etwas weniger Stoff am Leib zu haben. Außerdem passt sie mit ihrem Folklorecharm perfekt zu meiner neuen, rustikalen Norwegerjacke. Die süße leinenartige Tunika habe ich – soweit ich mich erinnere – vor kurzem für so 7…8…Euro auf Ebay erstanden?! Wie man so schön sagt, eben für ’n Appel und ’n Ei. Ich weiß nicht genau wie alt sie ist, aber ich schätze, sie stammt aus den 70er oder frühen 80er Jahren – also definitiv vintage und somit für den Preis ein super Deal!Jacke1 Jacke DetailOben drüber habe ich diese wundervolle Norwegerjacke von Dale of Norway getragen – bis mir eben, Dank viel Schnaps, zu warm wurde :-) Diese Jacke ist ein Erbstück von meiner Omi, aber nicht nur deshalb liebe ich sie so sehr: Tatsächlich bin ich schon ganz lange auf der Suche nach so einer Jacke und plötzlich viel es mir wie Schuppen von den Augen!!! Irgendwann konnte ich mich daran erinnern, dass ich eine solche Jacke als Kind mal an meiner Oma gesehen hatte. An Weihnachten fragte ich dann sofort nach und wirklich – ich habe mich nicht getäuscht – Omi zauberte die Jacke aus dem Schrank! Ich musste gar nicht fragen, ob ich sie vielleicht haben darf. Oma drückte mir das gute Stück sofort in die Hand und sagte, dass sie froh ist, wenn ich sie tragen will und Freude daran habe. Sie selbst hat sie direkt aus Norwegen mitgebracht, als sie vor etwa 35 Jahren eine Reise dorthin mit meinem Opa unternommen hatte.

Über die Qualität von Dale of Norway müssen wir wohl nicht sprechen. Außerdem hält die Jacke wunderbar warm und ist auch gar nicht so kratzig, obwohl sie aus reiner Schurwolle ist. Das Strickmuster aus einer Farbkombination mit Blau und Weiß sowie ein bisschen Grau und Rot macht den nordischen Etno-Look aus und durch die Details aus Stickereileisten und silbernen Haken werden Norwegerjacken zu wahren Kostbarkeiten.

Noch mal besten Dank, liebe Oma!

Erbstücke: Armband mit rotem Granat

Armband2In meinem Weihnachtspost zu La petite Robe noire von Guerlain hatte ich bereits angekündigt, dass es auf meinem Blog bald die neue Rubrik Erbstücke geben wird und ich freue mich, dass ich Euch heute ein Armband vorstellen kann, das ich zu meinem 30. Geburtstag von meiner Oma geschenkt bekommen habe.

Obwohl ich die Bilder schon vor einiger Zeit gemacht habe, fehlte mir die Geschichte zu diesem wundervollen Stück. Als ich meine Oma dann heute Nachmittag angerufen hatte, um ihr alles Gute für das neue Jahr zu wünschen, habe ich die Gelegenheit genutzt und mal nachbehorcht was es mit dem Armband auf sich hat.

Mein Opa hatte es ihr wohl vor etwa 20 Jahren aus Polen mitgebracht. Früher war er sehr häufig auf Jagdreisen vor allem in Osteuropa unterwegs und als Mitbringsel schenkte er meiner Oma meistens Schmuck mit Bernstein, Granteln oder eben Granat. Nach und nach entstanden so ganze Schmuck-Sets. Neben dem Armband hat meine Oma daher auch noch einen Ring, eine Kette und Ohrringe mit diesem schönen, blutroten Kristall. Zu meinem Glück gefällt meiner Mutter solcher Schmuck überhaupt nicht, so dass er nach und nach direkt zu mir wechselt :-)

Ich habe große Freude daran, den Schmuck meiner Oma zu tragen. Dabei geht es nicht allein darum, dass er mir gefällt. Mir geht es auch nicht darum, dass ich etwas bekomme, was vielleicht einmal viel Geld gekostet hat. Auch, wenn ich dieses Armband zu den Erbstücken zähle, finde ich es vor allem schön, dass ich es gar nicht erst erben musste, sondern, dass ich es noch erleben kann, dass meine Oma mir so etwas schenkt und anvertraut. Wenn eine ältere Generation etwas an eine jüngere übergibt, dann verbinde ich damit Zusammengehörigkeit, Beständigkeit und irgendwie auch Nähe zwischen Menschen. Dazu gehört eben auch, dass ich mir die Geschichte dazu von meiner Oma erzählen lasse und sie ihre alten Erinnerungen mit mir teilt. Und gleichzeitig entstehen für meine Oma und mich neue, gemeinsame Erinnerungen.

Das Schönste, was mir dieses Erbstück eigentlich gibt, ist das Gefühl von Verbundenheit zu einer Person, die ich liebe – meiner Oma.

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